Freitag, 29. März 2013

ein König im Exil (Robert de Ropp über Gurdjieff)

Ropp: "Er muss ein sehr seltsamer Mann gewesen sein, dieser Gurdjieff." Ouspensky starrte mich an, als ob ich etwas Lächerliches gesagt hätte. "Seltsam? Er war außergewöhnlich! Sie können sich nicht mal vorstellen wie außergewöhnlich Gurdjieff war."

Gurdjieff... Sogar jetzt, fast dreißig Jahre nach seinem Tod, besitzt dieser Name für mich eine gewisse Magie. Er war ohne Zweifel das außergewöhnlichste menschliche Wesen das ich je getroffen habe.

...er war ein Meisterspieler des Grossen Spiels und so weit entfernt vom menschlichen Durchschnitt, dass er fast zu einer anderen Spezies gehörte. Das Leben Gurdjieffs repräsentierte einen speziellen Aspekt des Wegs des Kriegers. Mehr als irgendein anderer Mann, den ich kennengelernt habe, lebte er nach selbst auferlegten Regeln und verfolgte mit voller Absicht seine Ziele. Im vollsten Sinne des Wortes war er innerlich gelenkt und lebte strategisch, wissend was er tat und warum er es tat. Er kümmerte sich nicht um künstliche Gesetze, die schwächere Personen auf begrenzte Verhaltensweisen einengten. Er schaffte seine eigenen Gesetze und spielte das Spiel nach seinen eigenen Regeln. Weil diese Gesetze und Regeln sich von denen unterschieden, die normalerweise menschliches Verhalten beherrschen, schien er für die einen ein Enigma zu sein und für andere ein Verrückter. 
...
Mein Eindruck von Gurdjieff war der eines Königs im Exil, der nicht nur durch den Raum sondern auch durch die Zeit disloziert worden war.
...
Jesus hatte offenkundig viel von diesem Hvareno. Gurdjieff hatte es auch. Es gab ihm die Qualität eines Königs im Exil. Sein Königreich war weder in unserer Zeit noch an unserem Ort. Er hätte, wenn er es gewollt hätte, sein Hvareno nutzen können, um grosse Massen um sich zu scharen. Er hätte Tausende Anhänger haben können.

der Yesevi Orden und Gurdjieffs Heilige Tänze

Gurdjieffs Gespräche mit Anna Durco haben eine direkte Bestätigung seiner Beziehung zu den Yesevis geliefert. Als er über Volkstänze sprach, sagte er, daß es in Taschkent (das er Djaschkent aussprach) besondere Tänze gegeben, daß es aber weiter weg ganz, ganz besondere Tänze gegeben habe. Bevor man diese habe sehen können, mußte man einen Palalikanina haben, was sowohl im Sanskrit als auch in der Zigeunersprache einen Bürgen bedeutet. Dort hätten sie die Yesevi (Gurdjieffs Aussprache war Yiesef) Tänze gelehrt, und er habe einen Lehrer gefunden, der durchs Tanzen das habe lehren können, was andere durch Bücher lehrten. Er sagte, daß nur sehr, sehr wenige Menschen die Fähigkeit hätten, die Sprache der Symbole zu lesen. Er machte dann eine höchst bedeutsame Feststellung - äußerordentlich für jeden, jedoch in der Tat seltsam als Feststellung gegenüber einem Kind, das sich glücklicherweise Wort für Wort an sie erinnerte. »An einem Ort Symbol, an einem anderen Technik und an einem anderen Tanz.« Dies entspricht genau der Aufteilung der Naqschibandi-, Jalali- und Yesevi-Derwische und zeigt ihre gemeinsame Verbindung mit den Khwajagan, wobei Fäden verknüpft werden, deren Zusammenhang andernfalls eine Mutmaßung gewesen wäre.
Gurdjieff. Der Aufbau einer Neuen Welt S.112

Mittwoch, 27. März 2013

der Mensch ist eine Maschine

Einer der beunruhigendsten und beleidigendsten Aussprüche Gurdjieffs war, daß der Mensch eine Maschine sei. Maschinen sind lärmende, schmutzige, geistlose Dinge, die eine stupide Aufgabe endlos wiederholen, von außen kontrolliert werden, irgendwann kaputtgehen und dann unbrauchbar sind. 
«Und so etwas bin ich doch wohl nicht!»

Die Vorstellung ist für die meisten Menschen ziemlich beunruhigend. Sie streiten vehement ab, Maschinen zu gleichen, und natürlich erst recht, Maschinen zu sein. Psychologisch betrachtet, ist dies höchst interessant. Wenn die Vorstellung, daß der Mensch eine Maschine ist, wirklich unsinnig wäre, warum regt sich dann überhaupt jemand darüber auf? Die Tiefenpsychologie lehrt, wenn Menschen etwas vehement abstreiten, so enthält es oft zumindest ein Körnchen Wahrheit. Leider hatte Gurdjieff recht: In vielerlei Hinsicht sind wir Maschinen, ohne es zu merken. Und das sollte uns beunruhigen!

Charles Tart - Hellwach und Bewusst Leben S. 45

englische Neuerscheinungen von 2012


Ein Überblick über englische Gurdjieff Fourth Way Literatur von 2012 bis heute:

Keith A. Buzzell - Reflections on Gurdjieff's Whim

Solita Solano/ Kathryn Hulme - Gurdjieff and the Women of the Rope

Louise March Göpfert - The Gurdieff Years: 1929-1949

Jacob Needleman - An Unknown World: Notes on the Meaning of the Earth

Paul B. Taylor - Real Worlds of G.I.Gurdjieff. Chapters in the Life of a Master

Christian Wertenbaker - Man in the Cosmos: G. I. Gurdjieff and Modern Science

H. K. Grumbein - A New Theory Of Music

Bob Hunter - Meetings with Beryl Pogson - A Guide to the Fourth Way

Michael S. Pittman - Classical Spirituality in Contemporary America: The Confluence and Contribution of G.I. Gurdjieff and Sufism
Ashala Gabriel - Remembering: Being with my Teacher
David Hall - Beelzebub And The Beast - A Comparative Study of G.I. Gurdjieff & Aleister Crowley
Mohammad Tamdgidi - Gurdjieff and Hypnosis: A Hermeneutic Study
Theodore J. Nottingham Written In Our Hearts: The Practice of Spiritual Transformation
Patty de Llosa - Taming your inner tyrant
Herb Cohen - Journey to Feel like a Man: Olympic Fencer, Gurdjieff Work, Tai Chi Teacher
Edward F. Sylvia - Swedenborg & Gurdjieff: The Missing Links
Philip Riley - God Was All Dry: Alienation, Violence, and an Experience in The Fourth Way 
Stephen A. Grant - In Search of Being: The Fourth Way to Consciousness

Dienstag, 26. März 2013

alle Philosophien und Religionen haben versagt

Die fundamentalste und wichtigste Absicht aller Führer, Erlöser, Boten Gottes etc. sei es, ein Mittel zu finden, wie die zwei Seiten des Menschen und damit die zwei Seiten der Erde in Frieden und Harmonie zusammenleben könnten. Er sagte, es bleibe nicht mehr viel Zeit - diese Harmonie müsse unbedingt so bald wie möglich geschaffen werden, wenn man die totale Katastrophe verhindern wolle.

Alle Philosophien, Religionen und ähnlichen Bewegungen hätten versagt und dieses Ziel verfehlt. Die einzige Möglichkeit, es zu verwirklichen, liege in der individuellen Entwicklung des Menschen. Sobald ein einzelner Mensch sein unbekanntes, individuelles Potenzial verwirkliche, werde er stark und beeinflusse nun seinerseits viele Menschen. Wenn sich genug Menschen - und sei es nur teilweise - individuell zu authentischen, natürlichen Menschen entwickelten und fähig würden, das der Menschheit eigene wahre Potenzial zu nutzen, dann wäre jeder einzelne dieser Menschen in der Lage, bis zu hundert andere Menschen zu überzeugen und zu gewinnen, die dann ihrerseits diese Entwicklung vollziehen und weitere hundert unter ihren Einfluss bringen würden und so weiter.

Er fügte noch grimmig hinzu, er scherze durchaus nicht, wenn er sage, wir hätten nicht mehr viel Zeit. Außerdem sei es eine geschichtlich erwiesene Tatsache, dass Instrumente wie Politik, Religion und alle anderen organisierten Bewegungen versagt hätten, die die Menschen als „Masse" und nicht als Individuen behandelten; sie würden auch in Zukunft versagen. Das separate, individuelle Wachstum jedes einzelnen Menschen dieser Erde sei die einzig mögliche Rettung. Ob man ihm nun aus vollem Herzen zustimmen konnte oder nicht, in jedem Fall lieferte er überzeugende und leidenschaftliche Argumente für die Wichtigkeit der individuellen Entwicklung und des individuellen Wachstums.

Fritz Peters - Eine Kindheit mit Gurdjieff S.188

Parallelen zu dem Orden der Jedi


Einige Parallelen zwischen der Schulungsmethode Gurdjieffs und dem Orden der Jedi Ritter aus der Star Wars Saga:

Die drei Säulen der Ausbildung
Die Ausbildung der Jedi wird ganzheitlich dargestellt. Körperliche Fähigkeiten, Intellektuelle Fähigkeiten (wozu auch Visualisierung gehört), Meditation und die Arbeit an den Gefühlen (Umgang mit negativen Gefühlen). Im Grunde genommen entspricht diese Struktur auch dem Institut für Harmonische Entwicklung des Menschen, begründet von G.I. Gurdjieff.

Die Elitäre Vorstellung vom Spirituellen Potential
Gurdjieff lehrte, dass nur ein kleiner Teil aller Menschen mit höherem Potential(Potential zu spirituellem Wachstum) überhaupt geboren wird, und diese höheren Fähigkeiten auch vererbbar sind. Genau diese beiden Vorstellungen findet man auch bei den Jedis der Star Wars Saga.

Der Innere Kreis der Menschheit
Der Jedi Orden bildet einen Kreis von Eingeweihten, die über okkulte Fähigkeiten verfügen, diese aber nicht zu egoistischen Zwecken einsetzen.

Die Macht als Energiefeld
In Gurdjieffs Sprache entspricht das Konzept der "Macht" als kosmische Energie dem Allgegenwärtigen Okidanoch. Was die spezifischen okkulten Fähigkeiten der "Macht" betrifft, wie z.B. Hypnotische Kräfte, Telekinese u.a. in den Filmen gezeigte Kräfte, entsprechen diese in Gurdjieff´s Terminologie der Höheren Emotionalen Energie bzw. dem Hanbledzoin (auch Ganbledzoin). In Gurdjieffs Darstellungsweise muss dieser Magnetismus im Leben bewusst erarbeitet werden. Auch die Jedis müssen eine jahrelange Schulung durchlaufen, um diese Kräfte beherrschen zu lernen.

Mittwoch, 20. März 2013

das Istanbuler Prospekt von 1920

Herr Gurdjieff wird zweimal pro Woche im Zentrum Vorlesungen halten. Er wird allein öffentliche Diskussionen durchführen über Fragen der Religion, Philosophie, Wissenschaft und Kunst vom Gesichtspunkt der Esoterik aus. Besondere Aufmerksamkeit wird auf Systeme zum Studium des Menschen und auf Theorien vom »Übermenschen« in den östlichen Wissenschaften gelenkt werden. Er wird auch zeitgenossische ganzheitliche Wissenschaften im Lichte der antiken Wissenschaften, Medizin, Chemie, Psychologie usf. besprechen. Das Ziel der Vorlesungen ist, die Öffentlichkeit von Konstantinopel mit dem wissenschaftlichen und philosophischen Material bekannt zu machen, das über einen jahrelangen Zeitraum hinweg im Laufe von Untersuchungen in verschiedenen Ländern, vor allem in Asien, zusammengetragen wurde. Das gesamte Material ist unveröffentlicht.

Themen der Vorlesungen werden unter anderem folgende sein:
1. Ausgewählte Auszüge aus Berichten über Reisen in Turkestan, Pamir, Tibet,
Chitral, Kafiristan, Afghanistan und Belutschistan
2. Ist Indien wirklich das Land der Wunder?
3. Ausgrabungen in Delhi und den Tälern des Hindukusch, in Armenien, Babylon
und Ägypten.
4. Ist die Seele ewig? Ist der Wille frei?
5. Das Oktavengesetz
6. Welches ist der wesentliche Mangel der zeitgenössischen Wissenschaft?
7. Was stellt der zeitgenössische Mensch dar?
8. Was ist Hypnose?
9. »Magnetismus«, »Gefühlsbetontheit«, »Mystik«
10. »Fakirtum«, »Mönchstum«, »Derwischtum« und »Yogitum«
11. Die Wissenschaft von den Zahlen, Symbolen und Diagrammen
12. Antike heilige Kunst
13. Die Wissenschaft von den Giften
14. Magie
15. Beweis der Einheit des Ursprungs aller Religionen
16. Erklärung und Vorführung der verschiedenen Kunststücke und Fingerfertigkeiten,
die von Fakiren, Spiritisten, Rutengängern und Wahrsagern vollführt werden.

Die Vorlesungen werden auf Russisch, Griechisch, Türkisch oder Armenisch gehalten werden, je nach der Zuhörerschaft. Alle Einnahmen werden dafür verwendet werden, verarmten Schülern des Instituts zu helfen.

Ein Auszug aus dem Institutsprospekt, gedruckt 1920 in Istanbul, veröffentlicht in dem Buch "Gurdjieff. Der Aufbau einer neuen Welt".

Dienstag, 19. März 2013

Dr. Kenneth Walker 1882–1966

Dr. Kenneth Walker
Viele Reaktionen waren möglich, aber es war unmöglich ihm gegenüber gleichgültig zu sein oder zu vergessen, dass er anwesend war. Man konnte von ihm beunruhigt sein, ihn nicht mögen, empört sein über Dinge die er sagte oder tat, ihn für einen Scharlatan oder einen Weisen halten, von ihm verängstigt sein oder ihn gern haben, und man konnte alle diese Dinge nacheinander erleben; aber es war unmöglich ihn ausser Acht zu lassen. Was immer auch er war, er war etwas auf einer viel grösseren Skala als man je vorher gesehen hatte bzw. wahrscheinlich je wieder sehen wird.

Gurdjieff verfügte über einen weiten Wissenshorizont, der auch moderne westliche wissenschaftliche Theorien einschloss, als auch das spezielle Wissen, welches er in den Jahren seiner Wanderungen im Osten erlernt hatte. Aber es war nicht so sehr das, was er sagte oder was er tat, dass einen beeindruckte, sondern das, was er war. Gurdjieff war das lebende Beispiel und Resultat seiner eigenen Lehre, die er mit den Worten "die Harmonische Entwicklung des Menschen" beschrieb.

Der Mensch, sagte er, ist ein unfertiges Produkt. Die Natur hatte ihn bis zu einer gewissen Stufe entwickelt und ihn dann seinen eigenen Initiative überlassen, um zu einer höheren Bewusstseins Stufe zu streben, oder das zu bleiben was er ist, ein unvollständiges Wesen. Das besondere Merkmal Gurdjieffs ist das besondere Merkmal aller grossen Lehrer. Sie sind bemerkenswert wegen ihrem Sein, für das was sie sind, denn für das, was sie tun. Und dies ist der Grund, wieso es schwierig ist, sie zu erkennen, denn hier im Westen beurteilen wir Menschen nach dem, was sie tun, und nicht danach, was sie in ihrer eigenen Person verwirklicht haben.

exklusiv übersetzt von: http://www.gurdjieff.org/walker1.htm

Dr. Kenneth Walker (1882–1966) war ein englischer Urologe und Schriftsteller, der ab 1923 Ouspenskys Schüler wurde und von 1948-49 unter Gurdjieff studierte. Er veröffentlichte drei Bücher über den Vierten Weg:

Venture with Ideas
The Making of Man
A Study of Gurdjieff's Teaching

weitere interessante Bücher von Dr. Walker sind:
Mystic Mind
Sex and Society
Life's long journey
So Great a Mystery
The Conscious Mind
 The Unconscious Mind
Die andere Wirklichkeit
Vom Blut und seinen Geheimnissen
The Kama Sutra of Vatsyayana and the Phaedrus of Plato

Sonntag, 17. März 2013

Thomas von Hartmann (1885-1956)

 
Vater: Alexander Thomich von Hartmann
Mutter: Olga Alexandrovna von Kross
Schwester: Olga Alexandrovna Petricek,
Großonkel: Eduard von Hartmann.

Seine musikalischen Ausbilder waren Anton Arensky, Sergei Tanejew, Anna Jessipowa und Felix Mottl.

1907 versetzte Zar Nikolaus II. Thomas von Hartmann aus dem aktiven Offizierdienst in den Reservedienst, damit er fortan seine gesamte Zeit der Musikkarriere widmen könnte. 1908-1912 studierte Thomas von Hartmann in München bei dem Wagner Schüler Felix Mottl.

Zwei Ereignisse in München beeinflussten Thomas von Hartmann besonders stark, eine Ausstellung der damals unbekannten Maler van Gogh, Gauguin und Cezanne. Zum anderen die Bekanntschaft mit den russischen Malern Alexej von Jawlensky, V. V. Verevkina und Wassily Kandinsky.

In München begann auch das Interesse von Thomas und Olga am Okkultismus. Olga berichtete von spiritistischen Experimenten in ihrem Freundeskreis(auch Kandinsky war anwesend), die einen grossen Eindruck auf alle Teilnehmer hinterliessen. Später suchten die Hartmanns in St.Petersburg nach Anworten auf ihre Fragen, woraufhin sie dann 1916 auf Gurdjieff trafen.

Mit Wassily Kandinsky verband ihn eine sehr enge Freundschaft bis zu Kandinskys Tod 1944 in Paris. Kandinskys Witwe Nina berichtete, dass es unter Wassily Kandinskys Freunden nur einen einzigen Mann gab mit dem er sich dutzte, den Komponisten Thomas von Hartmann.

J.G. Benntt berichtet in seiner Autobiographie über das Treffen mit Hartmann in Istanbul 1920:  
Von den beiden Dirigenten interessierte mich Thomas von Hartmann am meisten. Er hatte eine bemerkenswert schöne Frau, die früher Opernsängerin gewesen war. Hartmann war ein enger Freund Alexander Skrjabins gewesen. Er erzählte mir von Skrjabins Überzeugung, dass der Mensch höhere Fähigkeiten besitzt, die außerhalb seines Körpers wirken und durch die Musik erweckt und entwickelt werden können. Hartmann war mehr als nur Dirigent. Mrs. Beaumont und ich hatten den Eindruck, dass er Zugang zu irgendeinem Geheimwissen besaß und dass es aus seiner Freundschaft mit Skrjabin herrührte...

In Paris arbeitete er von 1927-1951 unter dem Pseudonymen Thomas Kross und Th. Kross Hartmann.

Freitag, 15. März 2013

Offene Movementsklassen in Berlin

Einzigartiges Angebot in Deutschland (vielleicht sogar Europaweit):

Wöchentliche Movements Klassen in Berlin

Jeden Dienstag von 19.30 – 21.00 Uhr



Gruss an Wim

Donnerstag, 14. März 2013

Gurdjieff über die Überlegenheitsillusion

Sehr häufig trifft man in Gesprächen auf die mehr oder weniger offen geäusserte Ansicht, der Mensch, so wie wir ihm im gewöhnlichen Leben begegnen, sei gleichsam der Mittelpunkt des Weltalls, die «Krone der Schöpfung» oder zumindest ein grosses und bedeutsames Wesen; seine Möglichkeiten wären nahezu unbegrenzt, seine Kräfte beinahe unendlich.
...
Einem solchen Menschen begegnen wir nie im wirklichen Leben, weder in der Gegenwart noch als historischer Gestalt in der Vergangenheit. Denn jeder Mensch hat seine Schwächen, und schauen Sie genau hin, so zerfällt das Trugbild der Grösse und Macht.

Das Interessanteste ist freilich nicht, dass die Leute andere Menschen mit diesem Trugbild behängen, sondern dass sie es aufgrund einer Eigentümlichkeit ihrer Psyche, wenn nicht in seiner Gesamtheit, so doch teilweise, als Spiegelung auf sich selbst übertragen. Und auch wenn sie beinahe Nullen sind, sie bilden sich ein, jenem Kollektivbild zu entsprechen oder nicht weit davon entfernt zu sein.

Aus der Wirklichen Welt. Gurdjieffs Gespräche mit seinen Schülern S.54 
(ein Gurdjieff Vortrag in Essentuki 1918)



der bewußte Kern der Menschheit

Der sich entwickelnde Teil des organischen Lebens ist die Menschheit. Auch die Menschheit hat einen Entwicklungsteil, aber hiervon werden wir später sprechen. Vorläufig wollen wir die Menschheit als Ganzes betrachten. Wenn sich die Menschheit nicht entwickelt, so bedeutet das, daß die Entwicklung des organischen Lebens aufhören und dies wiederum das Wachstum des Schöpfungsstrahls zum Stillstand bringen wird. Gleichzeitig wird die Menschheit, wenn sie aufhört, sich zu entwickeln, für den Zweck, für den sie geschaffen wurde, nutzlos, und kann daher zerstört werden. Somit kann die Beendigung der Entwicklung die Vernichtung der Menschheit bedeuten.
.......
Intellektuelle Theorien stellen den Menschen in die Mitte von allem; alles besteht für ihn, die Sonne, die Sterne, der Mond, die Erde. Sie vergessen sogar die verhältnismäßige Kleinheit des Menschen, seine Nichtigkeit, sein vorübergehendes Dasein und anderes.
.......
Der Prozeß der Entwicklung, nämlich jener Entwicklung, die für die Menschheit als ein Ganzes möglich ist, verhält sich ganz analog dem Prozeß der dem einzelnen Menschen möglichen Entwicklung. Und er beginnt mit der gleichen Tatsache, nämlich eine gewisse Gruppe von Zellen wird allmählich bewußt; dann zieht sie andere Zellen an, macht sie sich untertänig und bringt allmählich den ganzen Organismus dazu, ihren Zielen zu folgen und nicht nur zu essen, zu trinken und zu schlafen. Das ist Entwicklung, und es kann keine andere Art von Entwicklung geben. In der Menschheit sowohl wie im Einzelmenschen beginnt alles mit der Bildung eines bewußten Kerns. Alle mechanischen Kräfte des Lebens kämpfen gegen die Bildung dieses bewußten Kems in der Menschheit, genau wie alle mechanischen Gewohnheiten, Geschmacksrichtungen und Schwächen gegen das bewußte Selbst-Erinnem im Menschen ankämpfen.

Auf der Suche nach dem Wunderbaren Kapitel 15

Freitag, 8. März 2013

der Pythagoreische Grieche

Wie soll man mit wenigen Worten einen so merkwürdigen Menschen beschreiben? Ein Cagliostro des 20. Jahrhunderts? Aber was wir über Cagliostro wissen, ist widerspruchsvoll, und die Berichte, die Sie über Gurdjieff hören werden, sind es auch. Ich selbst kann von seiner erstaunlichen Arbeitskraft berichten. Nachts schlief er nur drei bis vier Stunden und schien trotzdem immer über die nötige Energie zu verfügen, um im Laufe des Tages eine Menge von Dingen abzuwickeln. Wer da mit ihm Schritt halten mußte, war oft nahe am Zusammenbrechen; er aber zeigte auch nach zwanzigstündiger Arbeit keine Anzeichen von Erschöpfung, und nach kurzem Schlaf erschien er wieder - frisch und munter. Im vergangenen Winter(1948) ging er meist gegen drei oder vier Uhr morgens zum Schlafen auf sein Zimmer im Hotel Wellington, und um sieben Uhr sahen ihn die Liftboys schon wieder. Dann ging er in sein Büro in der Fifth Avenue und empfing dort den ganzen Vormittag über Besucher.

Ich habe mich schon wiederholt gefragt, was unsere Zivilisation der Spezialisten wohl mit manchem Renaissancemenschen anfangen würde, wenn er zu uns zurückkehrte - Männer wie Roger Bacon, Francis Bacon oder Paracelsus. Wahrscheinlich würden wir sie als >>anormal<< betrachten, und ihre vielfältigen Möglichkeiten würden uns verwirren. Für mich war Gurdjieff ein Enigma. Ich sah in ihm weniger ein religiöses Oberhaupt als eine dieser merkwürdigen Renaissancegestalten. Er hat niemals behauptet, daß seine Ideen sein Eigentum seien; er versicherte im Gegenteil, sie entstammten einer sehr alten Wissenschaft, die durch Geheimschulen weitergereicht worden sei. Sein Humor hatte das Format eines Rabelais, die von ihm gespielten Rollen besaßen dramatischen Zuschnitt, und die Schockwirkung auf alle, die zu ihm kamen, war erschütternd. Wer sentimental war, erwartete vielleicht, in Gurdjieff einer jener blassen Literatur - Christusgestalten zu begegnen; traf er dann mit ihm zusammen, so schwor er, Gurdjieff sei ein Handelsreisender in Sachen Schwarzer Magie. Unter den Spöttern, die ihn näher kennenlernten, fragen sich manche immer noch, ob Gurdjieff vielleicht nicht doch mehr über Relativität wusste als Einstein.

Orage hat ihn einen pythagoreischen Griechen genannt und damit die fremdartige Wirkung Gurdjieffs inmitten unserer Zivilisation, die sich ja mit jener großen griechischen Epoche des 4. Jahrhunderts v. Chr. auch nicht vergleichen läßt, gut ausgedrückt...

Aus dem Artikel "Black Sheep Philosophers" von Professor Gorham Munson, erschienen 1950 in der Zeitschrift Tomorrow Magazine

Mittwoch, 6. März 2013

Gurdjieffs Kontakte in Russland


Herzog Alexander Petrovich von Oldenburg (Oldenburgsky) soll der Russe gewesen sein der Gurdjieff in Ägypten nach St. Petersburg eingeladen hat, um dort gegen den Alkoholismus zu wirken, worauf Gurdjieff als Hypnotiseur spezialisiert war. Die ganze Geschichte wird in dem Kapitel Beelzebub in Russland berichtet. Datiert wird diese Begegnung für das Jahr 1900. Wahrscheinlich hat Oldenburg Gurdjieff dem Zaren vorgestellt. Später heiratete Gurdjieff eine polnische Adlige vom Zarenhof.

Prinz Esper Ukhtomsky soll die Inspiration für Gurdjieffs Gefährten Prinz Juri Lubowedsky (kann als Gefäß der Liebe übersetzt werden) gewesen sein.

Georgi Gurdjieff kannte Leo Tolstoi persönlich. Tolstoi ist der Schriftsteller, der im Kapitel 12 von Beelzebub´s Erzählungen beschrieben wird.

Gleb Ivanovich Bokii soll einer Loge angehört haben, die 1909 von Gurdjieff gegründet wurde. Der Name dieser Loge lautete "The United Work Brotherhood". Weitere Mitglieder sollen folgende Personen gewesen sein: Nicholas Roerich und seine Frau Helena Roerich, Doktor K. N. Rjabinin, Boris Spiridonovich Stomoniakov, Ivan Mikhailovich Moskovin, Gurdjieffs Cousin Sergey Dmitrievich Merkurov. Dr. Alexander Vasilyevich Barchenko soll nach 1917 Gurdjieffs Stellvertreter in Russland gewesen sein. Mehrere Mitglieder dieser Loge wurden später in den 30ger Jahren bei Säuberungsaktionen der Stalinisten exekutiert.

 Dr. Alexander Vasilyevich Barchenko erwarb zu Studienzwecken in den 30ger Jahren das persönliche Tagebuch von Alexander Nikanorovich Petrov, dem vielleicht bekanntesten Gudjieff Schüler, der nach 1918 in Russland zurück blieb.

Prinz David Bebutov, hochrangiger Freimaurer, Gründer der Astreya Loge, soll 1908 mit Gurdjieff nach Istanbul gereist sein, um dort türkische Logen zu besuchen. Bebutov war Mystiker und soll eines der Mitglieder der "Wahrheitssucher" gewesen sein (dies behauptete Merkurov!). Der türkische Prinz Sabahaddin hat berichtet, Gurdjieff zum ersten Mal 1908 in Istanbul getroffen zu haben. Ausserdem berichtete Sabahaddin, dass Gurdjieff einer Gruppe von Okkultisten und Forschern angehöre. Auch ein Deutscher soll bei den Treffen mit türkischen Geheimgesellschaften anwesend gewesen sein, ein gewisser Rudolf von Sebottendorf.

Mitglieder der Moskau Gruppe (1912-17) waren sein Cousin Sergey Merkurov, der Mathematiker und Ingenieur Alexander Nikorovich Petrov, der Anwalt Alexei Y. Rachmilievitch, der Komponist Vladimir Pohl und Alina Fedorovna.

Der innere Kreis der St. Petersburg Gruppe (1914-17) bestand aus: P.D. Ouspensky, Sophie Grigorievna, der Pianistin Anna Ilinishna Butkovsky, Thomas und Olga de Hartmann, dem Arzt und Psychologen Dr. Leonid und Elizabeta Stjoernval, dem Ingenieur Anthony Charkovsky, dem Mathematiker und Ingenieur Andrey Zaharoff und Nicholas R. einem Abgeordneten der russischen Duma.

In St.Petersburg traf Gurdjieff viele Personen aus der Kunstszene, wie z.B. Nikolai Evreinov, die Baronin Marie Rausch von Traubenberg und ihren Ehemann Baron Constantin Rausch von Traubenberg. Die Baronin wohnte 1922 einige Zeit in Gurdjieffs Institut bei Paris. Dr. Rolf Alexander soll 1913 in St. Petersburg Gurdjieffs Schüler gewesen sein und gehörte neben Sir Paul Dukes zu einem der ersten Europäer, die unter Gurdjieff studierten.

Im Kaukasus (1917-20): Nadezhda Bashmakova, Nina Lavrova, das Ehepaar de Salzmann, das Ehepaar Zhukov, V.Y. Philippovich, der Anwalt P.V. Shandarovsky, Lily Chaverdian, Olgivanna Hinzenberg.

In Istanbul stiessen 1920 viele Exilrussen zu Gurdjieffs Institut, dazu zählten Leonid Ivanoff und Boris Ferapontoff.

Kopien von Gurdjieffs Vorträgen im Kaukasus zirkulierten in den 20ger und 30ger Jahren in Russland und sollen russische Schriftsteller wie Andrei Platonowitsch Platonow, Sergei Fedorovich Budantsev und Ovadia Savich beeinflusst haben. Der Maler Kazimir Severinovich Malevich war Mitglied einer Gurdjieff Gruppe in St. Petersburg.

Gurdjieff´s erster Lehrer Vater Borsch wurde identifiziert als Damian Ambrosievitch Borshch, der 1899 verstarb.

Shamzaran (Nikolaj) Badmaev, ein Burjate aus Sibirien und auf Tibetische Medizin spezialisierter Heiler, war ein weiterer Bekannter Gurdjeffs. Badmaev wurde 1938 in St. Petersburg exekutiert. Ein anderer Bekannter Gurdjieffs Lama Agvan Dorzhiev starb 1938 in russischer Haft in St. Petersburg.

Montag, 4. März 2013

Bhante & Meister Yoda

Bhante Dharmawara
Der buddhistische Mönch Bhante Dharmawara war das Vorbild für den heute schon legendären Meister Yoda Charakter der Star Wars Filme. George Lucas soll Bhante ca. drei Tage lang in einem buddhistischen Kloster in Kalifornien gefilmt haben. Dies war die Grundlage für den späteren Yoda.

Bhante lehrte Anfang der 70ger Jahre an der "International Academy for Continuous Education" in Sherborne(England), dem Institut des Gurdjieff Schülers J.G. Bennett. Die Schule wurde nach Richtlinien des Gurdjieff Instituts von 1923 angelegt. Bhante´s Spezialgebiet war dort die Meditation, insbesondere die Farbenmeditation.

Bhante war auch ein bekannter Heiler. Seine bevorzugte Farbe für Meditation und für Heilung war natürlich die Farbe Grün.

Bhante starb 1999 im Alter von 110 Jahren.

Bhante Wiki

Freitag, 1. März 2013

Gurdjieffs Einfluss auf die westliche Kultur war gewaltig

G.I. Gurdjieff
Obgleich ich mich mit mehreren spirituellen Traditionen gründlicher befaßt habe, konzentriert sich das vorliegende Buch auf Gurdjieffs Ideen. Warum Gurdjieff? Weil er ein Genie darin war, östlichen spirituellen Ideen und Übungen eine für westliche Menschen nutzbringende Form zu geben. Sein Einfluß auf die westliche Kultur war gewaltig, obwohl dieser weitgehend hinter den Kulissen stattfand, und das heutige spirituelle Interesse großer Kreise ist in starkem Maße auf sein Wirken zurückzuführen. Seine grundlegenden Formulierungen psychologischer und spiritueller Ideen zählen auch heute noch zu den besten und behandeln wichtige Gebiete, die von anderen Traditionen oft gar nicht berührt werden.

Charles T. Tart - Hellwach und Bewusst Leben S. 378